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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

Die Seiten der Textinitiative Fukushima werden derzeit von der Japanologie der Goethe-Universität betrieben. Gegenwärtiges Anliegen von TIF ist die zeitgeschichtliche Dokumentation. Das Forum dient nun in erster Linie als Archiv für Informationen zu 3/11 sowie allgemein zur Geschichte des Atomaren. Die Suchfunktion ermöglicht Recherchen zu Stichworten, Inhalten und Akteuren.

Aktuelles

Demonstration gegen Abes Politik / 安保法案反対デモ / SEALDs

2015年8月30日 国会議事堂前 戦争法案に反対する緊急抗議行動

Was mit „Fukushima“ offenbar begann, setzt sich nun am 30. August 2015 mit Bürgerprotesten gegen Abe Shinzôs neues Sicherheitsgesetz fort: „Am Sonntag kam es vor dem Parlament in Tokio zu einer der grössten Demonstrationen der Nachkriegsgeschichte, wie die Asahi Shimbun berichtete. Schätzungsweise 120’000 Menschen protestierten laut Organisatoren (die Polizei spricht von 30’000) friedlich gegen das von Abe propagierte Sicherheitsgesetz, das die Neuinterpretation der Verfassung bezüglich der kollektiven Selbstverteidigung konkretisiert“ (Asienspiegel).

Der seit längerem anhaltende heftige Protest artikuliert Slogans wie „Abe wa yamero!“ („Schluß mit Abe!“), „Abe wo taose!“ („Stürzt Abe!“) oder „Chance the Prime Minister!“, “Bring down Abe’s regime!” und „Give Peace a Chance!“. Moniert wird, dass mit Abes Politik die „Kriegszeit zurückkehre“ (senjichû wo torimodosu).  Die aktuellen Eingriffe in die japanische Verfassung (Nihonkoku Kempo) und die Demokratie, die man, wie ein sichtlich erschütterter Sakamoto festhält (der sich hier wieder als Aktivist am Protest beteiligt) unter vielen Opfern geschaffen hat, sei nicht tolerierbar. Bei der Protestkundgebung auf der Omote Sandô wird Abe kritisiert, den Bürgern Ungewolltes aufzuzwingen – auch die Atomenergie.

Links:


Texte des Lyrikers Wagô Ryôichi in Deutscher Übersetzung

In den nächsten Tagen geht die von Madlen Beret M.A. verfasste Abhandlung zum bekannten japanischen „Katastrophenlyriker“ bzw. „Heimatdichter“ von Fukushima, Wagô Ryôichi 和合亮一 (*1968), in den Druck; sie trägt den Titel „Worte ohne Schutzanzug. Wagô Ryôichi - Lyrik nach „Fukushima““ und enthält eine vollständige Übersetzung der Lyriksammlung Shinsai nôto (Notizbuch der Erdbebenkatastrophe).

Auszug → Post-Fukushima-Lyrik von Wagô Ryôichi

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Zutritt verboten!

Sandkasten: Zutritt verboten!
Gebüsch: Zutritt verboten!
Innerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone: Zutritt verboten!
Privatgrundstück: Zutritt verboten!

Frisch gestrichen: Zutritt verboten!
Strahlendosis noch nicht gemessen: Zutritt verboten!
20 Millisievert festgestellt: Zutritt verboten!
Gebäude im Bau an einer Weggabelung: Zutritt verboten!

Zur Zeit Großreinigung: Zutritt verboten! Gelände des
Coop Mart der Dorfgemeinde Iitate: Zutritt verboten!
Derzeitig Dekontaminierung der obersten Erdschicht:
Zutritt verboten! Lehrerzimmer während der Semester-
abschlussprüfungen: Zutritt verboten!

Während der ärztlichen Behandlung eines Knochen-
bruches: Zutritt verboten! Zutritt verboten! Wegen der
derzeitigen Prüfung der Sperrzone: Zutritt verboten!
Zutritt verboten! Wegen derzeitiger Prüfung der Aufhebung
der Sperrzonenbestimmungen: Zutritt verboten!
Einen Zoll weiter außerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone
rund um das Atomkraftwerk: Betreten erlaubt!

22. April In der Dorfgemeinde Iitate

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English Abstract: 

“Among the contributors to a post-3/11-literature is the Fukushima-based poet Wagô Ryôichi who was the first to deal with the topic. From the 16th of March onward he published his so-called “Shi no tsubute” (Pepples of Poetry) on Twitter. Due to his poetic live report of the disaster he became one of the most well-known persons of “Fukushima”. The study includes the first full length German translation of Wagô’s poem collection “Shinsai nôto” (Notes on an Earthquake Disaster) which was published one year after the catastrophe. The first part of the analysis examines how Wagô poetically chronicles and deals with daily life in Fukushima after March 11. The second part focuses on his presence in both print and social media and reveals the poet’s deeply conflicted stance towards his radioactively contaminated but still beloved home region.” (Madlen Beret)

Beret’s research is part of the project “Japan After “Fukushima”” initiated by Japanese Studies Frankfurt and The Interdisciplinary Centre for East Asian Studies (IZO) at Goethe-University.

Link: http://www.ebv-berlin.de/Band-9-Worte-ohne-Schutzanzug-Wago-Ryoichi


"AKW-Neustart - trotz aller Proteste" von Uwe Schwering, ARD

Link: http://www.tagesschau.de/ausland/atomkraft-japan-101.html


AKW Neustart August 2015

„Nach der Katastrophe von Fukushima haben viele Japaner gegen Atomkraftwerke in ihrem Land protestiert, manche sogar geklagt. Zwar wurden zunächst alle AKW abgeschaltet. Doch in Kürze wird das erste wieder in Betrieb genommen - gegen alle Widerstände und Bedenken.“ Uwe Schwering, ARD Tokio

„Am Freitag soll es mit der Energieerzeugung starten und im kommenden Monat volle Kapazität erreichen. Seit der verheerenden Kernschmelze von Fukushima nach einem Erdbeben und Tsunami im März 2011 sind alle der fast 50 Atomreaktoren in Japan abgeschaltet. Sendai soll die ersten Anlage sein, die wieder ans Netz geht. Das Reaktor hatte die nach der Katastrophe verschärften Sicherheitsauflagen im September erfüllt. Unter anderem hat das Kraftwerk nun einen Notfallplan für Brände, Überflutungen oder andere Naturkatastrophen. Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe will so viele Reaktoren wie möglich wieder ans Netz nehmen, um die derzeit auf den Energieimport angewiesene Wirtschaft zu stützen.“

„Die Mehrheit der Japaner ist allerdings gegen eine Rückkehr zur Atomkraft. Insbesondere die Anwohner nahe des Sendai-Komplexes sind skeptisch und verweisen auf Gefahren durch aktive Vulkane in der Region. Kritiker und Atomexperten befürchten auch, dass sich die Evakuierungspläne im Falle einer neuerlichen Katastrophe nicht gut umsetzen lassen. Außerdem treibt sie die Sorge um mögliche Pannen in den seit mehr als vier Jahren stillgelegten Atomwerken um.“  dpa / Wirtschaftwoche, 10.August 2015

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Nachlese Hiroshima – Augenzeugen

„In der Geschichte von Hideto Sotobayashi geht es nicht ums Detail, es geht ums große Ganze. Er spreche nicht als Japaner, sagt er, sondern als Mensch.“ Der Tagespiegel, .6.8.2010

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