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Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

Zur Zeit sind Publikationen zum Thema Japan nach „Fukushima“ in Vorbereitung. Der Band „‚Sayônara Atomkraft‘ – Proteste in Japan nach ‚Fukushima‘" von Andreas Singler ist nun Mitte März 2018 erschienen! Aktuell wird der Band "Kinder im Atomzeitalter. Berichte, Befunde, Bilder" als zweite Edition des Projekts Nukleare Narrationen redaktioniert. Bedingt durch die Publikationstätigkeiten werden die Entwicklungen in Japan in größeren Abständen kommentiert. Nach wie vor sollen jedoch Hinweise auf japanische / westliche Publikationen und Veranstaltungen zum Thema „Japan nach Fukushima“ oder allgemein zur Zeitgeschichte des Atomaren bekannt gegeben werden.


Aktuelles

Hara Tamiki – Übersetzung anlässlich des 73. Jahrestages von "Hiroshima"

Hara Tamikis 原民喜 (1905-1951) Kurzprosa und Gedichte zählen zu den eindrucksvollsten literarischen Schilderungen „Hiroshimas“ in derfrühen japanischen Atombombenliteratur. Der Schriftsteller floh 1944 mit seiner Familie vor den Bombenangriffen aus Tôkyô nach Hiroshima, wo er am 6. August 1945 den ersten militärischen Atomwaffeneinsatz überlebte. Bis zu seinem Suizid im März 1951 schreibt Hara seine Erinnerungen nieder und thematisiert dabei direkter als die meisten Zeitgenossen auch die körperliche Entstellung der Opfer nach der Detonation. In Erinnerung an Hara und den 73. Jahrestag von „Hiroshima“ eine Übersetzung des 1950 verfassten und erst postum nach dem Ende der Zensur der amerikanischen Besatzungskräfte veröffentlichten Gedichts „verkohlt“ [燃エガラ Moegara], angefertigt von Christian Chappelow (Japanologie Frankfurt) für die Textinitiative.

Zur Veröffentlichung: "Moegara" ist Teil der „Kleinen Szenerien der Atombombe“ [原爆小景 Genbaku shôkei] Haras, einer Sammlung von neun Gedichten, die 1960 in der „Gesamtausgabe Hara Tamikis“ [原民喜全集 Hara Tamiki zenshû] bei Haga Shoten veröffentlicht wurde. Im Kontext der Atombombenliteratur (genbaku bungaku) wurde es 1983 in der 15-teiligen Reihe Nihon no genbaku bungaku 日本の原爆文学 [Die japanische Atombombenliteratur] (Bd. 1 Hara Tamiki) von Nakamura Makito bei Horupu Shuppan erneut publiziert. Aktueller ist es auch in einer Gedichtsammlung zur Atombombenthematik des Coal-Sack-Verlags enthalten, nämlich in der 2007 von Suzuki Hisao herausgegebenen Anthologie Genbaku-shi hyaku-hachijû-ichi-nin shû 原爆詩一八一人集 [Atombombengedichte von 181 Dichtern], in denen Beispiele nuklearer Lyrik bis in die 2000er Jahre gesammelt sind.
Literaturhinweis: Wichtige Erstübersetzungen einiger Kurzprosa und Gedichte Haras wie weiterer zentraler Texte der japanischen Atombombenliteratur bis in die 1980er Jahre finden sich im Band Seit jenem Tag: Japanische Literatur seit Hiroshima und Nagasaki, herausgegeben 1984 von Itô Narihiko, Siegfried Schaarschmidt und Wolfgang Schamoni (für eine aktuelle Besprechung des Bandes siehe https://literaturkritik.de/id/21829

verkohlt

im traum bekomme ich nicht etwa
einen schlag auf den kopf
vor meinen Augen wird es dunkel
durch das dunkel quälen wir uns
quälen wir uns alle um nach draußen zu gelangen
übereinander stürzend
ein knall, ein krachen, ein haus stürzt um
der rauch färbt sich tiefrot

zum flussufer flüchten die menschen
auf ihre köpfe fällt der regen
in flammen die andere seite des flusses
sie sprechen irgendetwas, die menschen,
schreien irgendetwas
und doch alles wie lautlos
hoch steht das wasser im fluss
kein verstehen in den gesichtern
männer und frauen
sie stehend schwankend und schauen nur auf das wasser im fluss

aufgedunsen das gesicht
ein mädchen bis zur brust verkohlt
grell bunt in gelb und rot
hängen ihr die kleiderfetzen herab
sie steht auf unsicheren beinen
ihre handgelenke pendeln hin und her
ein gespenst aus der welt der manga
eine gruselige gestalt
endlos endlos
erglänzt im gleißenden licht der weg des leidens

燃エガラ

夢ノナカデ
頭ヲナグリツケラレタノデハナク
メノマヘニオチテキタ
クラヤミノナカヲ
モガキ モガキ
ミンナ モガキナガラ
サケンデ ソトヘイデユク
シユポツ ト 音ガシテ
ザザザザ ト ヒツクリカヘリ
ヒツクリカヘツタ家ノチカク
ケムリガ紅クイロヅイテ

河岸ニニゲテキタ人間ノ
アタマノウヘニ アメガフリ
火ハムカフ岸ニ燃エサカル
ナニカイツタリ
ナニカサケンダリ
ソノクセ ヒツソリトシテ
川ノミヅハ満潮
カイモク ワケノワカラヌ
顔ツキデ 男ト女ガ
フラフラト水ヲナガメテヰル

ムクレアガツタ貌ニ
胸ノハウマデ焦ケタダレタ娘ニ
赤ト黄ノオモヒキリ派手ナ
ボロキレヲスツポリカブセ
ヨチヨチアルカセテユクト
ソノ手首ハブランブラント揺レ
漫画ノ国ノ化ケモノノ
ウラメシヤアノ恰好ダガ
ハテシモナイ ハテシモナイ
苦患ノミチガヒカリカガヤク


"Hiroshima-Nagasaki Peace Study Courses" an der Beuth Hochschule für Technik

"Seit dem Sommersemester 2004 werden bei der Beuth Hochschule für Technik Berlin (früher TFH Berlin) die 'Hiroshima-Nagasaki Peace Study Courses' im Programm des Studium Generale des Fachbereichs I, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften angeboten. Damit setzt die Beuth Hochschule fort, was sie bereits 2001 mit der Veranstaltung und der Ausstellung 'Hiroshima Nagasaki 2001' begonnen hatte.

Der Titel 'Hiroshima-Nagasaki Peace Study Courses' geht auf die Friedenserklärung von 2001 des Bürgermeisters von Hiroshima, Herrn Dr. Tadatoshi Akiba, zurück, der hierin den Aufruf formulierte: '... the City of Hiroshima is investing in the revitalization of peace education, in the broadest sense of that term. We are striving, in particular, to establish Hiroshima-Nagasaki Peace Study Courses in major universities around the world ...'

Wir, die Initiatoren, sind stolz darauf, dass die Beuth Hochschule als erste in Europa diesen Aufruf in die Tat umsetzen konnte. Inzwischen blicken wir auf mehr als 10 Jahre zurück, in denen die Hiroshima-Nagasaki Peace Study Courses erfolgreich im Lehrangebot sind".

Link: http://public.beuth-hochschule.de/~eichhorn/


Ausstellung "Black Rain Hibakusha" in Hannover

In der Marktkirche in Hannover wird vom 1. bis zum 15. August 2018 die Ausstellung "Black Rain Hibakusha - Die Kinder des Schwarzen Regens" zu sehen sein. Die Ausstellungsbilder stammen vom Fotografen Thomas Damm und werden anlässlich des Jahrestags des Atombombenabwurfs auf Hiroshima vom 6. August 1945 gezeigt:

"This is the story of officially unrecognized Black Rain Hibakusha in Hiroshima. Hibakusha is the Japanese word for people that got affected by the atomic bomb. They suffer from various diseases, including cancers, caused by internal exposure. But the government rejects to recognize them as Hibakusha simply because they underestimate the effects of low dose radiation and internal exposure. This attitude of the government is the very reason for the confusion in the attempt to protect humans and nature in post-Fukushima Japan.

The photos were taken after the coordination with the Liaison Council of Black Rain Hibakusha Groups. Thomas and students of the faculty of International Studies of the Hiroshima City University visited each of 13 hibakushas at home, to interview and portrait them" (thomasdamm.com/hibakusha) 

Links: http://www.thomasdamm.com/hibakusha/

http://www.stakvb.landeskirche-hannovers.de/presse/2018/q3_2018/2018-08-01


Symposium "Fukushima Nuclear Evacuees" an der Meiji Gakuin Universität

Am 7. und 8. Juli findet am Yokohama Campus der Meiji Gakuin Universität das internationale Symposium "Fukushima Nuclear Evacuees: Researchers' Findings and the Voices of the Victims" statt:

"The Yokohama symposium will be a unique opportunity to hear presentations by seven researchers who have been following the lives of evacuees from the Fukushima nuclear disaster for over seven years. Some were forced to evacuate, other did so in defiance of government safety assurances. Some stayed in Fukushima prefecture; others fled much further. Five of the researchers will be accompanied by their key informants – victims of the nuclear disaster who will speak directly about their experiences. Interpretation between English and Japanese will be provided" (Ankündigungsschreiben)

Programm

7. Juli 2018
10.30 Uhr: “Voluntary evacuation from Fukushima to Yamagata” (Aleksandr Sklyar, Michigan U and friend)
11.45 Uhr: “Radiation risk communication in Fukushima” (Atsushi Kumagai, Fukushima Medical U)
13.45 Uhr: “Compulsory evacuees: the case of single women” (Naoko Horikawa, Fukushima U and friend)
15.00 Uhr: “Exile and riches: Compensated compulsory evacuees” (Tom Gill, Meiji Gakuin U and friends)
16.15 Uhr: “Structural violence and the psychological issues of Fukushima nuclear disaster victims” (Takuya Tsujiuchi, Waseda U)
17.30 Uhr: Commentator: Emeritus Professor Yasunori Fukuoka, Saitama University
18.00 Uhr: Discussion session

8. Juli 2018
10.00 Uhr: “The movement to defend free housing for voluntary evacuees” (Ayaka Löschke (U of Zurich) and friends)
11.15 Uhr: “The experiences of voluntary evacuees returning to their hometowns” (Marie Weishaupt, Free U of Berlin)
13.15 Uhr: Final Discussion Session

In der Folgewoche wird 14. Juli in Fukushima ein weiteres japanisches Symposium zum Thema stattfinden.

Link: https://networks.h-net.org/node/20904/discussions/1997719/2-symposiums-victims-fukushima-nuclear-disaster


Ausstellung "Nach Fukushima – Erinnern und Vergessen in Japan" vom 12.-14. Juli in Offenbach

"Die Aus­stel­lung zeigt Ar­bei­ten von den drei ja­pa­ni­schen Künst­lern und Fo­to­gra­fen Kota Takeu­chi, Jun Na­ka­su­ji und Ryoi­chi K. Maeda, die sich mit den Fol­gen des GAU im Kern­kraft­werk Dai-ichi in Fu­kus­hi­ma im März 2011 aus­ein­an­der­set­zen.

In Kurz­vor­trä­gen be­leuch­ten Chris­ti­an Chap­pe­low und Da­mi­an D. Jung­mann vom Ja­pa­no­lo­gi­schen In­sti­tut der J.​W.​Goethe-Uni­ver­si­tät, Tho­mas Stein­kopff vom Deut­schen Wet­ter­dienst sowie Kai Vöck­ler von der HfG Of­fen­bach die lan­des­spe­zi­fi­schen, phy­si­ka­lisch er­fass­ba­ren sowie kul­tu­rell un­ter­schied­li­chen Fak­to­ren des Er­in­nerns und Ver­ges­sens an­thro­po­ge­ner und natürli­cher Ka­ta­stro­phen.
Im an­schlie­ßen­den Po­di­ums­ge­spräch dis­ku­tie­ren Ryoi­chi Maeda und die Re­fe­ren­ten Fra­gen aus dem Pu­bli­kum".

Mo­dera­ti­on: Wer­ner Lorke  / Foto: Jun Na­ka­su­ji

Podiumsdiskussion und Vorträge: 12. Juli 2018, ab 18 Uhr
Ausstellung; 13. Juli 12-18 Uhr, 14. Juli 14–18 Uhr
Ort : Isenburger Schloss, linke Kapelle

Link: https://www.hfg-offenbach.de/de/calendar/nach-fukushima-erinnern-und-vergessen-in-japan#veranstaltung


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