Sie sind hier: Aktuelles

Willkommen auf der Seite der "Textinitiative Fukushima"

 Nukleare Narrationen 2

Der Band "Kinder im Atomzeitalter. Berichte, Befunde, Bilder" ist rechtzeitig zum achten Jahrestag der Dreifachkatastrophe im März 2019 erschienen. Die Redaktion widmet sich nun dem Projekt „Olympia 2020 Tôkyô und Fukushima – Die Spiele der Weltrisikogesellschaft“. Bedingt durch diese und andere Publikationstätigkeiten werden die Entwicklungen in Japan in größeren Abständen kommentiert. Nach wie vor sollen jedoch Hinweise auf japanische / westliche Publikationen und Veranstaltungen zum Thema „Japan nach ‚Fukushima‘“ oder allgemein zur Zeitgeschichte des Atomaren bekannt gegeben werden.


Aktuelles

Zustand des radioaktiv belasteten Abfalls in Tôhoku – Pflanzen wachsen aus den schwarzen Säcken

„The Truth About Radiation in Fukushima - Despite government claims, radiation from the 2011 nuclear disaster is not gone“

„Many rural residents have criticized the actual efficacy of the decontamination projects. For instance, vinyl bags are now starting to break down due to the build-up of gas released by rotten soil. Plants and flowers have also started to grow inside the bags, in the process tearing them apart. With weather factors, residual radioactivity inside the bags will eventually be scattered back into the environment“ (The Diplomat, Maxime Polleri 2019)

Link: https://thediplomat.com/2019/03/the-truth-about-radiation-in-fukushima/


„Fukushima 50“ (2020) - Weltpremiere im Januar 2020

Der Film "Fukushima 50" hat am 26. Januar Weltpremiere und soll ab März 2020 in den japanischen Kinos laufen. Regisseur des Films, der aus der Sicht des Katastrophenbewältigungsteams in den ersten Tagen nach der Dreifachkatastrophe am 11. März 2011 die Lage vor Ort schildert, ist Wakamatsu Setsurô 若松節朗 (*1949).

Aus der Ankündigung: „Fukushima 50 is an upcoming Japanese drama film directed by Setsurō Wakamatsu and written by Yōichi Maekawa. Starring Koichi SatoKen Watanabe, it will be about the titular group of employees tasked with handling the meltdown of the Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant after the 2011 Tōhoku earthquake and tsunami. The film will be based on the non-fiction book by Ryusho Kadota, titled On the Brink: The Inside Story of Fukushima Daiichi, and upon release, it will be the first Japanese film to directly depict the disaster“.

Kurz nach den Ereignissen hatte man in den Medien diejenigen, die kurz nach 3.11 versuchten, das havarierte AKW Fukushima I unter Kontrolle zu bringen als "Die tapferen 50" bezeichnet. Andere Namen waren "Nukleare Samurai", "Japans Himmelfahrtskommando", "50 Todeskandidaten" oder "Die 50 Wegwerfarbeiter". Aus der Sicht von TEPCO und der Regierung waren die Arbeiter, die sich, wie es heißt, freiwillig in die Gefahr begaben, nationale Helden. Die Zahl 50 (an anderer Stelle wird von 180 Freiwilligen gesprochen) ist dabei symbolisch zu sehen und wer zu den Helden zählte, wurde, bis auf den Fall des Ingenieurs und TEPCO Betriebleiters Yoshida Masao (*1955), nie bekannt.

Wikipedia: „After TEPCO management proposed withdrawing all its employees from the plant on 14 March,  additional manpower was deployed from around Japan. Some workers traveled on clear roads by convoy from Tokyo. When they arrived, hundreds of firemen, SDF personnel and employees of TEPCO, convened 20 km (12 mi) from the plant and debated how to best stabilize the plant. On the night of 15 March, these workers joined the original Fukushima 50. Despite the incorrect figure of workers, the Fukushima 50 has remained the pseudonym used by media to refer to the group of workers at Fukushima reflecting the solitary nature of the role“.

https://www.fukushima50.jp/
https://en.wikipedia.org/wiki/Fukushima_50_(film)
https://en.wikipedia.org/wiki/Fukushima_50
https://kad-intheater-cp.jp/f50/
https://www.youtube.com/watch?v=im8AAm9mz2o (ABC News: A Closer Look at the 'Fukushima Heroes' Trying to Save Japan's Reactors; 3.17.11; nameless and faceless symbols of duty and honour)

https://www.youtube.com/watch?v=vnr6CcQhoy0 (Yoshida Masao: „A hero of Japan's Fukushima nuclear crisis has died of cancer aged 58. Masao Yoshida stayed at his post as manager of the plant when three of its reactors went into meltdown following the 2011 earthquake. He is said to have saved countless lives. Tepco the plant's operator denies his illness was connected to his duties.“) 

Für den Hinweis auf den Film sei an dieser Stelle Cheyenne Dreissigacker gedankt.


Ausschreibung Forschungsvorhaben "Bürgerdialog Kernenergie (1974-1983)"

Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit BfE

Bürgerdialog Kernenergie (1974-1983) – Staatliches Handeln in der Auseinandersetzung um die nukleare Entsorgung und seine Bedeutung für das heutige Standortauswahlverfahren

Gemäß § 4 (2) des Gesetzes zur Suche und Auswahl eines Standortes für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle (Standortauswahlgesetz – StandAG) vom 5. Mai 2017 ist das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) Träger der Öffentlichkeitsbeteiligung im Standortauswahlverfahren. Es schafft die Grundlagen und Randbedingungen dafür, wie Bürgerinnen und Bürger in die Standortsuche einbezogen werden können, um eine Lösung zu finden, die in einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen wird. Hierzu tragen das Wissen um die historische Dimension der Standortsuche und der wissenschaftlich fundierte, generationenübergreifende Diskurs über verbliebene Streitfragen bei.

Ein bisher nur sehr wenig erforschter Faktor in den Auseinandersetzungen um die Kernenergie in der Bundesrepublik Deutschland ist der „Bürgerdialog Kernenergie“, der 1975 vom damaligen Bundesforschungsminister Matthöfer als Reaktion der Bundesregierung auf den wachsenden Widerstand in der Bevölkerung gestartet wurde. Im Rahmen des Forschungsvorhabens sollen seine Entstehung, seine Durchführung und seine Wirkungen dargestellt und analysiert werden. Im Fokus des Vorhabens stehen Fragen der Entsorgung (Wiederaufarbeitung, Zwischenlagerung, Endlagerung). Im Kern sind eine Analyse der Wechselwirkungen zwischen den staatlichen Akteurinnen und Akteuren und der organisierten Zivilgesellschaft, ihrer Motive und gegenseitigen Wahrnehmung sowie die Übertragung auf das heutige Standortauswahlverfahren zu leisten. Ziel ist es, sich die Stärken, Schwächen und Grenzen der damaligen Aktivitäten vor Augen zu führen und hieraus für die Gegenwart zu lernen.

Link: https://www.hsozkult.de/grant/id/stipendien-19743


Vortrag zu japanischer Katastrophenfotografie am SOAS (London)

"A History of Japanese Photography: Images of the City after Disaster"
Yasufumi Nakamori; Senior Curator of International Art (Photography), Tate

DATE: 14 January 2020
TIME: 5:15 PM
Faber Building, 23/24 Russell Square Room: FG08

Nakamori will introduce some little known critical aspects of the history of Japanese photography, namely, photographic images and visual culture surrounding selected large-scale earthquakes, from the Nohbi Earthquake in 1891 to the 2011 Tohoku Earthquake. He will pay attention to issues such as technologies, circulation, and the impact of the images, and examine their relationship to collective memory and imaginary projections of a city.

ABOUT THE SPEAKER
Dr Yasufumi Nakamori is Senior Curator, International Art (Photography) at Tate, London. Originally from Osaka, Nakamori initially studied law at the University of Wisconsin and practiced in New York City and Tokyo before undertaking a second career in art history following 9/11, going on to obtain his PhD in art history from Cornell University. Prior to joining Tate Modern, Nakamori was department head of photography and new media at the Minneapolis Institute of Art. From 2008-2016 he was curator of photography at the Museum of Fine Arts, Houston, where his exhibitions included Katsura: Picturing Modernism in Japanese Architecture Photographs by Ishimoto Yasuhiro (2010) and For a New World to Come: Experiments in Japanese Art and Photography, 1968–1979 (2015). His catalogue Katsura: Picturing Modernism in Japanese Architecture, which traced the collaboration between photographer Yasuhiro Ishimoto and Pritzker prize-wi nning architect Kenzo Tange for the making of the 1960 book titled Katsura: Tradition and Creation in Japanese Architecture, won the 2011 Alfred H. Barr Jr. Award for Smaller Exhibitions from the College Art Association. 
 

Organiser: Pamela Corey
Pamela Nguyen Corey
Lecturer in Southeast Asian Art
Department of the History of Art & Archaeology | School of Arts


Fundstück: Whisky aus Fukushima

„Erst einmal musste Yamaguchi klären, ob eine neue Whiskymarke mit der Herkunftsangabe Fukushima überhaupt eine Chance am Markt haben würde. Er kaufte verschiedene Single Malts aus Schottland ein, um diese in Kôriyama zu blenden. Keine Zutaten aus Fukushima also, nur die finalen Herstellungsschritte geschahen hier. 2014 kam der gefällige Tropfen unter dem Namen Yamazakura, Kirschblütenberg, in die Geschäfte. „Er verkaufte sich ganz gut“, sagt der Chef, der den Whisky selbst abgeschmeckt hatte. Dann zuckt er mit den Schultern und räumt ungefragt ein: „Seit einigen Jahren wächst das Whiskygeschäft in Japan sowieso mit sechs bis sieben Prozent pro Jahr.“ Es wirkt, als sei Yamaguchi selbst nicht so sicher, ob der Erfolg seines ersten Experiments mit dem inzwischen in mehreren Varianten unter der Marke Yamazakura erhältlichen Blends schlicht dem steigenden Durst der Verbraucher geschuldet ist oder doch Ausweis von Qualität und zurückerlangtem Vertrauen.“

„Mit seiner zweiten Marke wollte er es genau wissen. 2017 launchte Yamaguchi den Whisky 963. Die Ziffernkombination deutet auf die Postleitzahl von Kôriyama hin. „Made in Fukushima“ steht hier nicht mehr nur klein gedruckt am Flaschenrand, es ist der Produktname. „Das war der Lackmustest“, erinnert sich Yamaguchi und schielt rüber zu seinem Schreibtisch, an dessen Kante eine Flasche steht. „Erstaunlicherweise geht auch der richtig gut.“ Was zum einen natürlich an der cleveren PR-Story liegen dürfte, die in einem lokalpatriotischen Whisky aus der Katastrophenregion steckt. Zum anderen stimmt offensichtlich auch die Qualität: Whiskybars, die etwas auf sich halten, haben 963 im Angebot. Selbst nach Europa, wo kaum jemand die Anspielung im Namen entschlüsseln dürfte, wird die Whiskymarke mittlerweile exportiert.“

Link: https://www.business-punk.com/2019/11/whisky-aus-fukushima-nachgeschmack-der-katastrophe/

 


Besucher gesamt: 232.668