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Aktuelles

Geschichte des Atomaren - Marie Curies Radium-Institut: Abriß vorerst gestoppt

"Eigentlich hätte heute der letzte Tag des Pavillon des Sources anbrechen sollen, eines kleinen Backsteingebäudes vom Anfang des letzten Jahrhunderts, einst Teil des von Marie Curie ins Leben gerufenen Radium-Instituts. Nach den Plänen des Curie-Instituts, dem der Bau gehört, würde er jetzt abgerissen, um für ein neues Forschungsgebäude Platz zu machen. Denn der Pavillon wird seit Jahren nicht benutzt: Er ist faktisch unbegehbar, weil er stark radioaktiv belastet ist. Doch quasi in letzter Minute wurden Denkmalschützer auf das Vorhaben aufmerksam, schalteten den französischen Präsidenten ein – und das Ministerium für Kultur stoppte das Projekt." (Spektrum, 8.1. 2024)

"Das ist keine außergewöhnliche Architektur, aber symbolisches Kulturerbe, ein Memorial, das ist sein Wert. Und dazu noch einen Garten zerstören in diesen Zeiten, das ist Nonsens, das ist absurd. Keine 200 Meter vom Pantheon entfernt, wo Marie Curie als erste Frau ihre Ruhestätte gefunden hat." (SWR 2)
Kulturerbe-Beauftragter Stéphane Bern in France Culture

Links: https://www.spektrum.de/news/denkmalschutz-warum-marie-curies-pavillon-nicht-abgerissen-wird/2203417
https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/geplanter-abriss-eines-teils-des-institut-curie-verseuchtes-kultur-denkmal-100.html


Rezension "Engaging the Atom. The History of Nuclear Energy and Society in Europe from the 1950s to the Present" (2021)

Kaijser, Arne; Lehtonen, Markku; Meyer, Jan-Henrik; Rubio-Varas, Mar (Hrsg.), Engaging the Atom. The History of Nuclear Energy and Society in Europe from the 1950s to the Present. Morgantown 2021: West Virginia University Press, ISBN 978-1-952271-32-8; IX, 337 S.

Rezensiert für H-Soz-Kult von: Christian Götter, Institut für Geschichtswissenschaft, Technische Universität Braunschweig

Der von Arne Kaijser, Markku Lehtonen, Jan-Henrik Meyer und Mar Rubio-Varas herausgegebene Band ist im Kern ein Ergebnis eines von Euratom geförderten Forschungsprojekts zur „History of Nuclear Energy and Society“ (HoNESt), dessen Ziel es war, das Verhältnis von Kernenergie und Gesellschaft in 19 europäischen Ländern von Spanien bis Finnland und vom Vereinigten Königreich bis Russland sowie in den USA historisch und sozialwissenschaftlich zu untersuchen. Das Ziel des Bandes mit seinen neun interdisziplinären Beiträgen, die von einer Einleitung und einem Fazit der Herausgeber gerahmt werden, besteht darin, der Frage nachzugehen, wie man die deutlich unterschiedlichen Umgangsweisen der untersuchten Gesellschaften mit der (hier primär zivilen) Atomenergie erklären kann. Dies, so argumentieren die Herausgeber, könne letztlich nur durch einen vergleichenden Ansatz herausgearbeitet werden. Tatsächlich gibt es (fast) keinen Beitrag im Band, der sich allein mit der Situation in einem Land befasst. Vielmehr greifen die Beiträge mehrheitlich auf die Ergebnisse des HoNESt-Projektes in Form der hier erarbeiteten „Short Country Reports“ zurück und arbeiten auf deren Basis produktiv vergleichend.[1] Die Antwort, die die Herausgeber auf dieser Grundlage für die von ihnen aufgeworfene Frage geben, besteht in der „central hypothesis“, dass es zum Verständnis der „multiple and multifaceted nuclear-societal relations in Europe and elsewhere“ notwendig sei, genau zu untersuchen, wie sich die wechselseitige Interaktion von Gesellschaften und Kernenergie historisch entwickelt habe (S. 9). Sie besteht – in anderen Worten – nicht zuletzt in dem auch explizit gemachten Aufruf, die Geschichte der Kernenergie als „Public Technology“ weiter zu erforschen (S. 10). Für eben diese weitere Forschung liefern die Beiträge des Bandes nicht nur solide Grundlagen, sondern weisen auch interessante Richtungen auf, indem sie einige im Feld lang tradierte Überzeugungen in Frage stellen.
[...]
In ihrem Fazit betonen die Herausgeber, dass die vielgestaltige Geschichte der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit der Kernenergie prägend für die gegenwärtigen Situationen in den untersuchten Ländern ist, weshalb sie nicht außen vor gelassen werden kann, wenn man sich mit der (weiteren) Entwicklung der Technologie befasst. Auch heben sie hervor, dass in der Interaktion von Kernenergie und Gesellschaften – von der lokalen bis zur europäischen Ebene – nicht nur die Technologie, sondern auch die Gesellschaften selbst, etwa „the nature and quality of democracy“ verhandelt wurden (S. 280). Sie leiten daher aus der Kernenergiegeschichte einige allgemeinere Schlussfolgerungen ab: So sei es für das erfolgreiche Umsetzen von Projekten zentral, die Perspektiven Betroffener frühzeitig zu berücksichtigen, was allerdings keine Garantie für eine Akzeptanz biete. Eine weitere zentrale Bedingung sei die Pflege eines intakten Vertrauens in Institutionen – auch über die direkt an der Kernkraft beteiligten Akteure hinaus. Denn Atomenergie gelte grundsätzlich als „highly transformative of local societies and landscapes“ (S. 282). Immer sei die grundsätzlich transnationale Technologie eng mit grundlegenden Werten und Identitäten verbunden. Sie werde daher, auch in Form ihrer Überreste, ein politisches Thema bleiben – sowohl dort, wo sie inzwischen hauptsächlich ausgebaut werde, namentlich in Asien, als auch in Europa. Hier sehen sie die besondere Herausforderung, dass ein abnehmendes Interesse an ihr – nicht zuletzt auch bei Studierenden – auf einen langfristig notwendigen, fachlich kompetenten Umgang mit der Technologie trifft. Hier seien auch Geistes- und Sozialwissenschaften gefragt, wie der vorliegende und zu weiterem Nachdenken anregende Band beispielhaft demonstriert.

Anmerkung:
[1] Diese sind aktuell unter https://academica-e.unavarra.es/xmlui/handle/2454/38269 (13.12.2023) zu finden.
Diese Rezension wurde redaktionell betreut von Heike Wieters <wieterhx@geschichte.hu-berlin.de>
Link: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-128866

Fundstück: "Geheimverhandlungen beim Japan-Besuch Egon Bahrs im Jahr 1969 und die Atombewaffnung Japans"

Am 17. November 2014 hat Maik Sprotte (1964-2023) am Komaba Campus der Universität Tokyo einen Vortrag zur internationalen Geschichte der Atompolitik gehalten.

 

Links: http://www.desk.c.u-tokyo.ac.jp/d/d_141117.html
http://www.desk.c.u-tokyo.ac.jp/download/workshop_sprotte_poster.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Maik_Hendrik_Sprotte


Erdbeben im Januar 2024: Fake-Fotos

"Nicht alle Videos, die Szenen des Erdbebens in Japan zeigen, sind falsch. Doch viele Videos, die ursprünglich in einem anderen Jahr aufgenommen wurden, werden derzeit neu hochgeladen und in den Kontext der aktuellen Naturkatastrophe gesetzt." (dw, 3.1. 2024)

Link: https://www.dw.com/de/faktencheck-diese-erdbeben-videos-aus-japan-sind-falsch/a-67879545


Buildings and roads in Wajima City, Ishikawa Prefecture are impacted by the January 1 quake; photo by NHK


Opfer einer toxischen Umgebung: Der Film "The Village" (2023)

Der aktuelle Film "The Village" von Regisseur Fujii Michihito 藤井道人 (1986) beschreibt die Ansiedlung von umweltschädigender Industrie, in diesem Fall der Müllindustrie, in der japanischen Region. Wie bei der Implementierung von Atomindustrie (die Anspielung ist offensichtlich) kommt es zur Spaltung der dörflichen Gemeinschaft und zu "Opfern" - diesen Mechanismus beschreibt schon Takahashi Tetsuya 高橋哲哉 (1956), ein bekannter Sozial- und Moralphilosoph (siehe TIF / 2011).

Synopse: "Yu Katayama (Ryusei Yokohama) is a young man who lives in the remote, but beautiful village Kamonmura. He has lived there since he was a child and is unable to leave due to an incident in his past. To pay off his mother's debt, Yu Katayama works in a garbage disposal facility nearby. He lives without a dream or hope in his life. One day, Misaki Nakai (Haru Kuroki) returns to Kamonmura from Tokyo. Yu Katayama and Misaki Nakai were childhood friends. Her return changes Yu Katayama." (Asian Wiki)

Links: https://asianwiki.com/Village_(Japanese_Movie)
http://www.textinitiative-fukushima.de/pages/projekte/japanologie-leipzig/akw--gegner-
(2011; Übersetzung Steffi Richter)


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